„Inspiring Women – Inspiring Change“

Rede von Cornelia Seibeld MdA in der Australischen Botschaft Berlin anlässlich des Weltfrauentages Berlin, 04.03.2014

Es gilt das gesprochene Wort

Cornelia Seibeld und Botschafter Mr David Ritchie AO zum internationalen Weltfrauentag 2014 in der Australischen Botschaft in BerlinSehr geehrter Herr Botschafter Ritchie, sehr geehrte Frau Bonnor, Excellenzen, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich darf mich zunächst sehr herzlich bei Ihnen, Herr Botschafter und bei Ihrer Frau, für die Einladung bedanken und besonders auch für die Gelegenheit, hier das Wort an Sie und Ihre Gäste richten zu dürfen.

Meine Damen und Herren, normalerweise dienen die internationalen Gedenktage der Vereinten Nationen dazu, Aufmerksamkeit auf die Probleme einer Minderheit zu lenken. Heute ist das anders. Heute richtet sich der Tag im Namen der einen Hälfte der Bevölkerung an die andere Hälfte der Bevölkerung – wahrlich keine Minderheiten. Es geht um die Gleichstellung von Rechten und Chancen der einen 50% der Menschheit mit den anderen 50% der Menschheit.

Wenn alles richtig wäre, würden wir heute nicht zu diesem Thema zusammen kommen müssen.
Wenn alles richtig wäre, dann würden Frauen und Männer tatsächlich gleichberechtigt nebeneinander und miteinander arbeiten.
Wenn alles richtig wäre, dann würden sie gemeinsam entscheiden, dann würden sie bei gleicher Arbeit gleich viel verdienen und dann würden sie die gleiche Rente beziehen.

 

Aber es ist nicht alles richtig. Und deswegen haben wir heute den Weltfrauentag.

 

Der Weltfrauentag ist gleichzeitig ein Tag zum Feiern und zum Mahnen. Weltweit – auch in Deutschland und in Australien – wird unabhängig von Nationalität, Sprache oder Kultur an das erinnert, was für Frauen ökonomisch, politisch und sozial erreicht worden ist. Andererseits wird der Fokus aber auch auf die noch immer vorhandenen Ungleichheiten gelegt.

Feiern können wir zahlreiche  Erfolge im Kampf für gleiche Rechte von Frauen und Männern.

Das Wahlrecht für Frauen gehört dazu, in Europa erst Anfang der 70er Jahre überall eingeführt, noch immer aber nicht selbstverständlich in allen Teilen der Erde.

Die wirtschaftliche Selbständigkeit der Frau in der Ehe musste erkämpft werden, die Anerkennung einer eigenen Rechtspersönlichkeit der Ehefrau im Familienrecht ist in Deutschland noch gar nicht so lange selbstverständlich.

Immer noch muß der Weltfrauentag aber auch mahnen. Armut verhindert Bildung. Diese Erkenntnis ist unbestritten. Und ohne Bildung haben Menschen keine Chancen in der Gesellschaft. Frauen sind in dieser schlimmen Situation aber auch noch ungleich häufiger das Opfer: Von 3 Jugendlichen weltweit, die nicht Lesen und Schreiben können, sind zwei Mädchen. Weltweit gehen mehr als 66 Millionen Mädchen niemals zur Schule. Und wer keine oder wer geringere Bildung hat, der verdient auch weniger oder hat gar kein eigenes Einkommen.

Nach wie vor haben wir zwischen Frauen und Männern eine große Lücke beim Arbeitseinkommen, aber noch mehr bei den Alterseinkünften. Grund genug, am Weltfrauentag die Aufmerksamkeit in Deutschland abermals auf dieses Thema zu lenken.

Zwischen den Einkommen von Frauen und Männern gibt es weiter eine Entgeltlücke. In Deutschland beträgt sie 23 Prozent - in Australien liegt sie mit 17 Prozent übrigens etwas niedriger. Diese Entgeltlücke  setzt sich als Rentenlücke von fast 60 Prozent für Frauen fort. Der Abstand der Alterseinkünfte zwischen Männern und Frauen lag  2012 in Deutschland noch immer bei 59,6 Prozent, das heißt, in Deutschland beziehen Frauen im Durchschnitt um 59,6 Prozent geringere eigene Alterseinkommen als Männer. 

Die Gründe dafür liegen in den weiblichen Erwerbsbiografien. Mütter waren früher in geringerem Umfang erwerbstätig als heute. Ihnen fehlten die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Als ihre Kinder klein waren, gab es keinen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, kein Elterngeld, keine dreijährige Erziehungszeit mit Rückkehrgarantie, keine Hortbetreuung und keine Ganztagsschulen. In dieser Situation entschieden sich viele Mütter für eine längere berufliche Unterbrechungszeit zur Erziehung ihrer Kinder. Lebensleistung bedeutet aber nicht nur Erwerbsarbeit sondern auch Erziehung der Kinder.

Die von Angela Merkel geführte Bundesregierung schafft zum 1. Juli diesen Jahres mehr Gerechtigkeit für Mütter. Derzeit wird für vor 1992 geborene Kinder nur ein Entgeltpunkt in der Rente angerechnet. Die neue Mütterrente umfasst nun die finanzielle Anerkennung von zwei Jahren Kindererziehungszeiten in der Rente für alle künftigen Rentnerinnen!

Ein richtiger Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit und ein gutes Zeichen am Weltfrauentag.

Meine Damen und Herren, Frauen sind im 20. Jahrhundert der Gleichberechtigung in großen Schritten näher gekommen. Vor allem in der Politik und im Erwerbsleben sind sie zumindest vordergründig erfolgreich, hat sich ihre Position verbessert.

Frauen wurden erfolgreich, als sie sich nicht länger mit der ihnen zugewiesenen gesellschaftlichen Zweitrangigkeit abgefunden haben. Wenn Frauen sich einmischen, wenn sie beginnen, ihren eigenen Lebensbereich zu beeinflussen, ihn zu verändern, dann erreichen sie Führungspositionen.

In Deutschland praktiziert Bundeskanzlerin Angela Merkel einen unprätentiösen, sachlichen Regierungsstil. Sie verkörpert bodenständige Werte, die sie zur beliebtesten politischen Person in Deutschland gemacht haben. Erreicht hat sie dies durch beharrliche Arbeit, durch fortwährendes Antreiben ihrer selbst und vor allem durch das Beeinflussen ihrer Umwelt.

Aber auch Angela Merkel konstatiert, sie wäre keine Politikerin geworden, wenn sie Kinder gehabt hätte. Und vor allem war es harte Arbeit und der stete Wunsch, die Beste zu sein, die ihr halfen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, welche ihr – nicht zuletzt – Männer in den Weg gelegt haben.

Damit sind wir bei einem wesentlichen Punkt:

Politik ist familien- und damit auch frauenfeindlich. Denn wie man es auch dreht und wendet, Frauen leisten einen größeren Anteil in der Familie. Häufig nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Das heißt aber nicht gelichzeitig, dass sie nicht Kariere machen wollen, egal ob in der Politik oder anderswo.

Für Frauen sind unregelmäßige Arbeitszeiten, Abend- und Wochenendtermine open end viel schwerer zu bewältigen, als für die meisten Männer. Vielen Frauen fällt es auch schwerer, stundenlang ihre Zeit in oft ergebnislosen Diskussionsrunden zu verbringen.

Natürlich ist es Aufgabe von Politik und vorrangig von Frauen in der Politik, Vereinbarkeit von Beruf und Familie so weit als möglich herzustellen. Aber es ist eine Illusion, zu glauben, dass Kinder kein Karriereknick wären. Das sind sie immer und das lässt sich auch nicht vermeiden. Und die meisten Frauen würden diese Zeiten in ihrer Erwerbsbiografie auch gar nicht missen wollen. Aber das Zurückstecken im Beruf muss finanzielle - auch in der Rente - so gut wie möglich abgefedert werden.

Und noch eines ist mir wichtig: zur Gleichberechtigung gehört auch, dass Frauen frei wählen können, ob und wie sie Beruf und Familie vereinbaren können. Es wäre nicht mein Weg, aber auch heute noch muss sich Frau auch ausschließlich für Familie entscheiden können.

Falsch ist es meiner Auffassung nach, wenn Frauen versuchen, Beruf oder Politik wie Männer zu machen. Männer und Frauen haben ganz unterschiedlich ausgeprägte Fähigkeiten, die sich im Idealfall gut ergänzen.

Ohne dauerhafte Hartnäckigkeit, ohne gegenseitige Unterstützung können wir Frauen die noch vorhandene Ungleichheit  nicht ausräumen. Und es braucht Frauen UND Männer, die bereit sind, die unterschiedlichen Stärken und Fähigkeiten anzuerkennen, ohne ständige Gleichmacherei. Es braucht aber auch Familien, in denen beide Partner bereit sind, Familie und Beruf - gleich in welcher Verteilung - als Gemeinschaftsaufgabe zu stemmen. Es braucht eine Gesellschaft, in der alle Menschen – so hat es die ehemalige Berliner und Hamburger Justizsenatorin Peschel-Gutzeit einmal formuliert –  selbstverständlich gleichberechtigt sind.

Dafür braucht es Konzepte und keine halbherzigen Lösungsansätze.
Dafür braucht es Aktionen aber keine Aktivistinnen.
Dafür braucht es Durchsetzungsvermögen aber keinen Ellenbogeneinsatz.

Und dafür braucht es weiter solche Tage wie diesen.

Ich danke Ihnen.


 
 
 

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